Urologische Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten

Querschnitt einer Prostata
Querschnitt einer Prostata

Prostatakrebs

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung europäischer Männer. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 40.000 Männer neu. Die überwiegende Mehrheit der Erkrankten ist zum Zeitpunkt der Diagnosestellung zwischen 50 und 70 Jahren alt. Bei Männern unter 40 Jahren tritt die Krankheit eher selten auf.

So niederschmetternd die Diagnose für die Betroffenen auch ist: In einem frühen Stadium der Erkrankung sind die Heilungsaussichten hervorragend.

Zu Beginn der Erkrankung verursachen Prostatakarzinome zumeist keine Beschwerden. Spürbare und sichtbare Symptome, wie Schmerzen oder Blutbeimengungen im Urin, treten in der Regel erst auf, wenn der Tumor die Grenzen des Organs überschritten hat. Um die Wahrscheinlichkeit einer Diagnosestellung im heilbaren Frühstadium zu erhöhen, werden in Deutschland deshalb Früherkennungsuntersuchung für Männer über 45 Jahren angeboten.

Die Therapie von Prostatakrebs richtet sich nach der Art und Ausbreitung des Tumors. Die Urologische Klinik bietet die gesamte Bandbreite anerkannter Behandlungsverfahren auf dem neuesten Stand medizinischen Wissens. Operative, radioonkologische, nuklearmedizinische oder medikamentöse Therapien kommen abhängig vom jeweiligen Stadium der Erkrankung sowie den persönlichen Lebensumständen des Patienten zum Einsatz. Die Entscheidung für die individuell bestmögliche Art der Therapie wird stets in engem Dialog mit dem Patienten getroffen.

Operative Therapie

Ist der Krebs auf die Prostata beschränkt, bietet die operative Entfernung der Prostata die besten Heilungschancen. Dabei wird die gesamte Prostata mit der Kapsel, den anliegenden Samenbläschen und den örtlichen Lymphknoten entfernt.

Die Operation kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden: ein Schnitt unterhalb des Nabels (radikale, retropubische Prostatektomie), am Damm zwischen Hodensack und Darmausgang (perineale Prostatektomie) oder als so genannte Schlüssellochoperation (endoskopisch radikale Prostatektomie, ERPE).

Viele Betroffene scheuen diesen Radikaleingriff - aus Angst, ihre Potenz und Kontinenz zu verlieren. Doch dank der verfeinerten Operationstechniken ist es heute in vielen Fällen möglich, die Erektionsnerven und Blutgefäße zu schonen und so die Potenz sowie Kontinenz zu erhalten.

Die Urologische Klinik gehört zu den führenden Spezialkliniken für diese Nerv erhaltende radikale Prostatektomie. Allein in den Jahren 2006 und 2007 wurde dieser Eingriff von den Fachärzten der Klinik mehr als 800 mal erfolgreich vorgenommen.

Strahlentherapie

 Die Therapiemöglichkeiten des Prostatakarzinoms haben sich in den letzten Jahren entscheidend weiter entwickelt. Dies gilt auch für die Strahlentherapie. Mit der Brachytherapie steht inzwischen eine neue Therapiemöglichkeit zur Verfügung, die von Herrn Prof. Dr. Hammerer vor 10 Jahren eingeführt wurde. Die Behandlung findet in Zusammenarbeit mit den Kollegen der benachbarten Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie statt. Erst 2008 wurde hier in Braunschweig eine hoch moderne Afterloading-Einheit mit einem Therapieplanungsrechner für die Brachytherapie in Betrieb genommen.

Medikamentöse Therapie

Hormontherapie

Hat sich der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits in benachbartes Gewebe ausgebreitet und Metastasen in Lymphknoten und Knochen gebildet, ist durch eine Operation oder alleinige Bestrahlung eine Heilung in de Regel nicht mehr möglich. In diesem Fall werden systemische Behandlungsformen eingesetzt, die im ganzen Körper wirken.

Das Wachstum vieler Prostatakarzinome wird vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron positiv beeinflusst. Ziel der Hormonentzugstherapie ist es, diese Hormonwirkung auszuschalten, die Tumorausbreitung zum Stillstand zu bringen und so die Lebensqualität des Patienten zu erhalten. Eine Heilung lässt sich allerdings durch die Hormontherapie alleine nicht erzielen.

Chemotherapie

Die Chemotherapie kommt zum Einsatz, wenn die Hormontherapie nicht die gewünschte Wirkung zeigt. Es werden zellwachstumhemmende Medikamente (Zytostatika) verabreicht, die das Zellwachstum und damit das Tumorwachstum verhindern. Die Behandlung ermöglicht  zwar keine Heilung, kann den Krankheitsverlauf aber erheblich verzögern. Die Prognose ist abhängig vom Stadium der Erkrankung und vom Allgemeinzustand des Patienten.

Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe

Prof. Dr. Peter Hammerer ist Schirmherr der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe Braunschweig, die von Reinhard Schalla geleitet wird.

Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. (BPS) wurde im Jahr 2000 als Zusammenschluss von Prostatakrebs-Betroffenen in Deutschland gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein. Mittlerweile gehören ihm mehr als 230 Prostatakrebs-Selbsthilfegruppen an. Der BPS ist damit europaweit die größte und weltweit die zweitgrößte Organisation von und für Prostatakrebspatienten. Er ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, in der BAG Selbsthilfe sowie der europäischen Prostatakrebsvereinigung "Europa UOMO" und steht unter der Schirmherrschaft der Deutschen Krebshilfe. Als Interessenvertreter aller von Prostatakrebs betroffenen Männer in Deutschland ist er auch auf gesundheitspolitischer Ebene aktiv.

prostatakrebs-shg-bs.de