Abteilung für Brusterkrankungen: Zertifiziertes interdisziplinäres Brustzentrum


Jedes Jahr erkranken ca. 50 000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. Für die Betroffenen bringt dies eine fundamentale Änderung ihrer Lebensumstände mit sich. Sie werden aus ihrem bisherigen Alltag herausgerissen und müssen sich mit Operation, Chemotherapie und vielem mehr auseinandersetzen. An wen soll ich mich wenden? Wo werde ich gut behandelt? Auch solche Fragen rücken in den Vordergrund.

Um den Patientinnen die Orientierung zu erleichtern, vergeben die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Senologie das Gütesiegel  "Zertifiziertes Brustzentrum". Seit September 2005 ist das Brustzentrum des Klinikums eines von 11 zertifizierten Brustzentren in Niedersachsen.

Zertifizierte Brustzentren müssen umfassende fachliche und qualitative Anforderungen erfüllen. Pro Jahr müssen bestimmte Mindestzahlen nachgewiesen werden, wie z.B. 150 Erstoperationen, 300 Mammographien oder auch jeweils 50 palliative und adjuvante Chemotherapien. Die brusterhaltende Operation ist ein weiteres Qualitätskriterium. Sie soll bei kleineren Tumoren bei mindestens 70% liegen. Im Brustzentrum des Klinikums lag sie für alle Tumorengrößen 2004 sogar bei 77 %.

Das pflegerische und ärztliche Personal muss sich regelmäßig aus- und weiterbilden. Wöchentliche interdisziplinäre Tumorkonferenzen sind ein weiteres Beispiel aus dem Kriterienkatalog. Auch die Rückmeldung der Patientinnen ist ein Teil im Qualitätspuzzle. Sie sollen weiterhin regelmäßig befragt werden.

Zudem muss der Behandlungsablauf so organisiert sein, dass die erste Patientin nach den gleichen geprüften Leitlinien und Qualitätsstandards behandelt wird wie die hunderste. Damit ist ein "roter Faden" festgelegt, der sich durch alle Schritte von der Diagnose bis zur Therapie und der Nachsorge zieht. Dabei müssen sehr viele Schritte passgenau ineinandergreifen.

Zum Brustzentrum gehören:

Neben der medizinischen Behandlung gehört auch die psychologische Betreuung und die Einbindung von Selbsthilfegruppen zu einem zertifizierten Brustzentrum. Hier ist die Psychologin Ursula Nünemann Ansprechpartnerin, außerdem ist die Zusammenarbeit mit dem Verein für Krebsnachsorge seit vielen Jahren sehr eng. Wenn es z.B. um Brustprothesen geht, ist für die Patientinnen auch der Kontakt zum Sanitätshaus sehr wichtig. Dieser wird bereits während des stationären Aufenthalts hergestellt.

Der große Pluspunkt des Klinikums sind die kurzen Wege: Alle beteiligten Kliniken sind direkt vor Ort am Standort Celler Straße angesiedelt. Zudem sind im Klinikum Mitarbeiter exklusiv für das Brustzentrum tätig.

Neben den medizinisch-fachlichen Qualitätsmerkmalen müssen zertifizierte Brustzentren auch ein Qualitätsmanagementsystem nachweisen. Unabhängig von der Zertifizierung hat das Brustzentrum auch vorher schon an Leistungsvergleichen teilgenommen und die Daten an die Projektgeschäftsstelle für Qualitätssicherung in Hannover geschickt. Aus dieser Auswertung geht hervor, dass das Klinikum von allen 115 niedersächsischen Kliniken allein was die Häufigkeit der Behandlung angeht mit 257 Fällen im Jahr 2004 an 9. Stelle liegt.