Fragen und Antworten der Telefonaktion zum Weltkrebstag

Thema: Prostatakrebs/urologische Tumoren

Als Experten antworteten Prof. Dr. Peter Hammerer, Chefarzt der Klinik für Urologie und Uroonkologie sowie Dr. Lukas Manka, Oberarzt der Klinik für Urologie und Uroonkologie

Anruferin, 47 Jahre: „Man liest so viel über Krebserkrankungen, nehmen diese Erkrankungen zu?“

Professor Dr. Peter Hammerer: „Krebserkrankungen nehmen in Deutschland nach den Daten des Robert Koch-Institutes gering zu. Vor über 90 Jahren wurden die ersten Krebsregister in Deutschland gegründet, im Rahmen des Nationalen Krebsplanes wurde im Frühjahr 2013 das Krebsfrüherkennungs und Krebs-Registergesetz verabschiedet, damit genaue Zahlen über die Häufigkeit von Krebserkrankungen gesammelt werden können. Jedes Jahr erkranken über 500.000 Menschen in Deutschland an Krebs, jedes Jahr versterben über 220.000 Menschen an Krebs. Viele Krebserkrankungen sind heutzutage heilbar, besonders dann, wenn sie in Frühstadien entdeckt worden sind. Drei Dinge sind bei Krebserkrankungen wichtig:

1. Prävention: d.h. auf Dinge wie Ernährung, ausreichende körperliche Betätigung achten. Rauchen und Alkoholkonsum einschränken, den viele Krebserkrankungen werden durch Giftstoffe ausgelöst.
2. Früherkennung: frühzeitig erkannte Erkrankungen lassen sich sehr viel besser behandeln als Erkrankungen im Spätstadium. Aus diesem Grunde sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen für die häufigsten Krebserkrankungen zu empfehlen.
3. optimale Behandlung: die Krebsbehandlung ist komplex und es werden häufig mehrere Spezialisten  aus unterschiedlichen Fachgebieten benötigt, um die für Sie optimale Therapie auszuwählen. Komplexeoperativer Eingriffe sollten zum Beispiel in großen Zentren mit ausreichender Erfahrung durchgeführt werden.

Anrufer, 61 Jahre: „Bei meinem 56 Jahre alten Bruder ist Prostatakrebs festgestellt worden. Er hat mir gesagt, ich hätte deshalb ebenfalls ein erhöhtes Risiko, Prostatakrebs zu bekommen. Soll ich zur Vorsorge gehen?“

Prof. Dr. Peter Hammerer: Männer, bei denen in der Familie Prostatakrebserkrankungen aufgetreten sind, haben ein erhöhtes Risiko, selber an Prostatakrebs zu erkranken. Prostatakrebs ist die am häufigsten diagnostizierte Krebsart des Mannes und die zweithäufigste Krebstodesursache für Männer. Sie sollten nach ausführlicher Aufklärung an einer Prostatakrebsfrüherkennung durch Abtasteten der Prostata und Bestimmung des Blutwertes PSA teilnehmen und sich untersuchen lassen.

Anruferin, 51 Jahre: „Mein Mann ist jetzt 58 Jahre alt, soll er einen PSA Test machen? Man hört immer wieder, dass dieser Bluttest nicht aussagekräftig ist?“

Prof. Dr. Peter Hammerer: „Der Bluttest mit der Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) ist kein perfekter Test für Prostatakrebs. Allerdings ist es bei sehr niedrigen PSA -Werten unwahrscheinlich, dass ein Prostatakrebs vorhanden ist; je höher der PSA-Blutwert ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Prostatakrebs vorliegt. Ein PSA-Wert sollte immer im Zusammenhang mit dem Tastbefund, der Prostatagröße und eventuell vorhandenen Beschwerden interpretiert werden. Eine sehr große europäische Studie hat aktuell gezeigt, dass das Risiko, an Prostatakrebs zu versterben, deutlich gesenkt werden kann.“

Anrufer, 39 Jahre: „Ich habe seit einigen Wochen eine Vergrößerung meines Hodens auf der rechten Seite, muss sich damit zum Arzt gehen?“

Dr. Lukas Manka: „Eine Veränderung am Hoden, die durch das Tasten aufgefallen ist, muss immer durch eine Ultraschalluntersuchung abgeklärt werden. Eine Hodenveränderung kann eine harmlosere Zyste oder ein Wasserbruch sein, es kann sich aber auch um einen bösartigen Hodentumor hindeuten. Sollte die Ultraschalluntersuchung zeigen, dass ein Tumor vorliegt, ist eine weitere  Behandlung absolut notwendig.“

Anrufer, 55 Jahre: „Ich habe seit einigen Wochen eine rötliche Verfärbung meines Urins, die zwischendurch immer wieder von alleine verschwindet und mir auch keine Schmerzen bereitet. Was soll ich machen?“

Dr. Lukas Manka: „Bei diesen Verfärbungen kann es sich um Blut  im Urin handeln. Dieses ist ein Alarmzeichen und muss in jedem Fall durch einen Urologen weiter abgeklärt werden. Üblicherweise wird in einer derartigen Situationen eine Ultraschalluntersuchung und eine Blasenspiegelung durchgeführt.“

 


Thema: Strahlentherapie

Als Experte antwortete Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Sprecher des Cancer Centers Braunschweig sowie Chefarzt der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie

Anruferin, 35 Jahre: „Ich bin aktuell an einem Mammakarziom erkrankt. Der Tumor in der linken Brust war 4 Zentimeter groß und es bestand der Verdacht auf Lymphknoten befall in der Achselhöhle: Ich erhielt dann eine Chemotherapie, der Tumor wurde deutlich kleiner. Vor 4 Wochen bin ich brusterhaltend operiert worden. Der Tumor war nur noch 1,5 cm groß und es waren 2 von 25 entfernten Lymphknoten in der Axilla befallen. Muss ich denn jetzt noch überhaupt bestrahlt werden?"

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann: „Ja, auf jeden Fall. Ein Brusterhalt ist immer nur mit Bestrahlung möglich. Ohne eine postoperative Bestrahlung ist das lokale Rückfallrisiko viel zu hoch. Mit einer Bestrahlung jedoch ist das Risiko eines lokalen Rückfalls so gering, wie nach einer Amputation, die man früher immer gemacht hat. Darüber hinaus ist bei einem Lymphknotenbefall in der Achselhöhle auch eine Bestrahlung sinnvoll, da sie dann auch die Heilungswahrscheinlichkeit erhöht.

Anruferin: Werde ich die Bestrahlung vertragen?

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann: Allgemein ist die Therapie nicht sehr belastend und wird vertragen. Bei manchen Patientinnen kann es aber zu Hautreaktionen kommen, die aber allgemein nach der Therapie schnell abklingen.

 

 


Thema: Chemotherapie

Als Experte antwortete Prof. Dr. Jürgen Krauter, Chefarzt der Medizinischen Klinik III

Anrufer, 52 Jahre: "Ich bin 2013 an Dickdarmkrebs erkrankt. Ich wurde operiert und es wurde festgestellt, dass Lymphknoten befallen waren. Danach bekam ich eine Chemotherapie über sechs Monate. Seither wurden keine neuen Krankheitsherde entdeckt und ich bin in der Nachsorge. Aktuell habe ich im Fernsehen einen Beitrag über Immuntherapie gesehen, die bei einem Patienten mit einem ausgedehnten Tumor eindrucksvoll geholfen hat. Kommt das auch bei mir in Frage?"
 
Antwort Prof. Dr. Jürgen Krauter: "Nach Ihrer Darmkrebsoperation wurde festgestellt, dass der Tumor bereits in die Lymphknoten gestreut hatte. Deshalb wurde zur Sicherheit eine sogenannte "adjuvante" Chemotherapie durchgeführt. Diese soll nach Entfernung des Tumors dazu dienen, versteckte Tumorzellen im Körper abzutöten und eine spätere Ausbildung von Tochtergeschwülsten zu verhindern. Nach Durchführung einer solchen Therapie ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dauerhaft geheilt sind, groß. Eine Therapie ist deshalb aktuell bei Ihnen nicht notwendig. Sie sollten aber natürlich die regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen wahrnehmen. Sollte der Tumor dennoch wiederkommen, gibt es heutzutage eine ganze Reihe von hochwirksamen Therapiemöglichkeiten: Oft ist, wenn nur wenige Tochtergeschwülste vorhanden sind, eine operative Entfernung möglich. Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten einer gut verträglichen wirksamen Chemotherapie. Diese kann noch mit Medikamenten kombiniert werden, die Wachstumssignale in der Krebszelle blockieren oder die Blutversorgung der Tumorzellen blockieren und damit die Wirkung der Chemotherapie verstärken. Am Einsatz der Immuntherapie in der Krebsbehandlung wird derzeit intensiv geforscht. Im Mittelpunkt stehen dabei Ansätze, bei denen das Immunsystem des Patienten entweder durch "Tumorimpfung" oder durch Medikamente aktiviert wird, gegen die Tumorzellen aktiv zu werden. Routinemäßig werden solche Ansätze derzeit z.B. beim Schwarzen Hautkrebs eingesetzt und sind dort sehr erfolgreich. Bei anderen Krebsarten (z.B. Lungenkrebs) werden solche Ansätze derzeit erprobt und erscheinen vielversprechend. Es ist damit zu rechnen, dass die Immuntherapie in den nächsten Jahren bei einer ganzen Reihe von Tumoren zum Einsatz kommen wird."
 


Thema: Lungenkrebs

Als Experte antwortete Dr. Tielko Seeba, Oberarzt der Med. Klinik II

Anrufer, 66 Jahre: „Ich habe seit meinem 17. Lebensjahr und oft viel geraucht. Was kann ich zur Vorsorge machen, um einen Lungenkrebs rechtzeitig zu erkennen?“

Dr. Tielko Seeba: „Die wichtigste Vorsorgemaßnahme liegt in Ihrer Hand: Aufhören zu rauchen! Wir wissen aus vielen großen Untersuchungen, dass langjährige Raucher im Durchschnitt 8-10 Jahre kürzer leben, als Nichtraucher. Je früher man aufhört, desto besser die Lebenserwartung. Als positiver Nebeneffekt spart man auch noch jede Menge Geld und verbessert seine Lebensqualität.“ 

Zwischenfrage des Anrufers: „Aber Helmut Schmidt ist doch auch über 90 Jahre alt...“

Dr. Tielko Seeba: „Richtig, die durchschnittlich kürzere Lebenserwartung gilt natürlich nicht für jeden. Der Fall von Helmut Schmidt ist aber leider nicht die Regel, sondern eher eine Ausnahme...
Zu Ihrer Frage zurück: Eine prophylaktische Computertomographie (CT) wird von den deutschen Fachgesellschaften derzeit noch nicht empfohlen und die Kosten von den Krankenkassen auch nicht übernommen. Zum Thema CT-Screening sind in den letzten Jahren viele große Untersuchungen gelaufen, weitere sind noch nicht abgeschlossen. Das Hauptproblem ist v.a. die Strahlenbelastung durch die Computertomographie. Wenn man diese CT-Diagnostik regelmäßig bei allen Rauchern durchführen würde, bestünde das theoretische Risiko, damit bei Einzelfällen auch eine Krebserkrankung auslösen zu können. Dieses Risiko ist natürlich inakzeptabel.“

 


Thema: Darmkrebs/gastrointestinale Tumoren

Als Experte antwortete Prof. Dr. Max Reinshagen, Chefarzt der Medizinischen Klinik I

Anrufer, 46 Jahre: "Bei mir vor sechs Monaten ein Kolonkarzinom festgestellt und inzwischen operiert. Ich habe vier Geschwister. Sollen sich diese auch jetzt schon darmspiegeln lassen?

Prof. Dr. Max Reinshagen: "Klare Antwort. Ja. Bei Patienten, bei denen der Verdacht auf eine familiäre Darmkrebserkrankung vorliegt, machen wir hier im Cancer Center Braunschweig (CCB) Untersuchungen auf eine genetische Ursache der Erkrankung. Des Weiteren veranlassen wir eine genetische Beratung des Patienten. Außerdem sollten alle erstgradig Verwandten mit erhöhtem Risiko für Darmkrebs (besonders Geschwister) untersucht werden. Dies sollte ab einem Alter von 10 Jahren unter dem Alter des Indexpatienten geschehen (in Ihrem Fall 46 Jahre - 10 = 36 Jahre).

Anruferin, 65 Jahre: "Bei mir wurde vor fünf Jahren Darmkrebs festgestellt und operiert. Seither haben keine Kontrollen stattgefunden. Muss ich etwas tun?"

Prof. Dr. Max Reinshagen: "Im Cancer Center Braunschweig werden alle Darmkrebspatienten vor und nach der Operation in der Tumorkonferenz vorgestellt. Hier wird festgestellt, ob nach der Operation eine weitere Chemotherapie notwendig ist (adjuvante Chemotherapie). Des Weiteren wird die Nachsorge genau festgelegt. Diese besteht abhängig vom Stadium der Erkrankung aus regelmäßigen Kontrollen, Ultraschalluntersuchungen, Koloskopien und Computertomogaphien.