Geschichte der Hebammenausbildung in Braunschweig

Die Braunschweiger Hebammenlehranstalt (heute: Hebammenschule) gehört mit zu den ältesten Ausbildungsstätten Deutschlands. Seit 1751 werden hier Hebammenschülerinnen unterrichtet. Es gibt allerdings Nachweise dafür, dass in der Zeit davor auch schon Unterricht für Hebammen bzw. Bademütter stattgefunden hat. Schon im Jahre 1700 veröffentlichte die Braunschweiger Hebamme Anna Elisabeth Hohenburgin ein Lehrbuch für Hebammen "Der wohlmeynende und nöthige Unterricht der Heeb-Ammen der löblichen Stadt Braunschweig geschwohrenen Wehe-Mutter" mit dem Inhalt der Hebammenhilfe und geringfügiger Taufzeremonien.

Um wissenschaftlichen und medizinischen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde der Bau eines Teatrum-Anatomicum beschlossen und durchgeführt. Diese Ausbildungsstätte erhielt den Namen Collegium Anatomico-Chirurgicum und eine ansehnliche pathologisch-anatomische Präparatesammlung. Im Januar 1751 begannen die ersten Unterrichte und Vorlesungen für Chirurgen und Hebammen.

Ab ca. 1800 waren die Hebammenlehrer verpflichtet, ein für den Unterricht vorgeschriebenes Lehrbuch zu benutzen, um die Einheitlichkeit der Ausbildung zu gewährleisten und um bessere Beurteilungskriterien bei eventuellen Straftaten zur Hand zu haben. Die praktischen Unterweisungen erfolgten im Accouchierhaus, einem Gebäude der "geburtshülflichen Abteilung" des Herzoglichen Armenkrankenhauses in Anwesenheit der Anstaltshebamme bzw. des Hebammenlehrers.

Das Hauptcharakteristikum des alten Herzoglichen Krankenhauses schien um 1880 nach zeitgenössischen Beschreibungen ein gravierender Platz- und Raummangel zu sein. Die Notwendigkeit des Neubaus einer Entbindungsanstalt wurde unter anderem mit dem Fehlen von Räumlichkeiten aller Art (z. B. Wohnräume für die Hebammenschülerinnen und den Assistenzarzt, Behandlungsräume für die gynäkologisch erkrankten Frauen und wissenschaftlich zu nutzende Räume) begründet. So wurde im Frühjahr 1891 mit dem Bau eines neuen Krankenhauses begonnen. Als neuen Standort hatte man ein Gelände zwischen der Celler Straße und der heutigen Ernst-Amme-Straße erworben. Im Sommer 1897 wurde dort die Entbindungsanstalt fertig gestellt und konnte belegt werden. Im Gegensatz zu den anderen Gebäuden des Krankenhauses war die Entbindungs- und Hebammenlehranstalt unterkellert, dort befand sich u. a. die Waschanstalt und Badezimmer für die Hebammen. Die 12 Hebammenschülerinnen teilten sich im Erdgeschoss einen Schlafraum mit 55 qm und ein kleineres Arbeitszimmer.

Im Zweiten Weltkrieg musste die Stadt Braunschweig unter planmäßigen, flächendeckenden Luftangriffen leiden, fast die gesamte historische Innenstadt wurde zerstört. Von allen Braunschweiger Krankenhäusern hatte das Landeskrankenhaus die schwersten Schäden zu verzeichnen. Vor allem die Frauenklinik (OP und Kreißsaal) war durch Bombentreffer schwer zerstört. Patientinnen, Personal und auch die Hebammenschülerinnen wurden während dieser Zeit im 1939 eilig gebauten Bunker, der noch heute existiert, untergebracht. Trotz der Kriegseinwirkungen blieben die Frauenklinik und die Hebammenlehranstalt weiterhin geöffnet.

Nach dem Krieg, in den Jahren 1954/55, führte der damalige Leiter der Frauenklinik in Anwesenheit des schwedischen Arztes Lindström (Konstrukteur des Vakuumgerätes) die erste Vakuumextraktion in Deutschland durch. Erst im Jahre 1957 konnten die neuen Entbindungsräume bezogen werden, der Bunker gehörte nun der Vergangenheit an.

1977 siedelte die Hebammenschule in eine alte Jugendstilvilla direkt neben der Frauenklinik um. Hier standen jetzt neben den Unterrichtsräumen auch Unterkünfte für die Hebammenschülerinnen bereit. Zu diesem Zeitpunkt gab es zwei Ausbildungskurse mit je 10 Hebammenschülerinnen.

1997 fand eine große Feier anlässlich des 100-jährigen Bestehens der "Neuen Frauenklinik" statt: 4000 Patientinnen wurden jedes Jahr behandelt, 1400 Geburten begleitet. In der Hebammenschule gab es 24 Ausbildungsplätze in zwei Kursen.

Im Dezember 2001 erfolgte der Umzug der Hebammenschule. Die drei Schulen des Städtischen Klinikums Braunschweig bezogen gemeinsam ein großes Schulzentrum in der Nähe eines der drei heutigen Klinikstandorte.

Der Unterricht im Schulzentrum hat den Vorteil der gemeinsamen Nutzung von Erfahrungen, Medien und Hilfsmitteln. Der Hebammenschule stehen zwei Unterrichtsräume zur Verfügung, es gibt Medienräume, einen Bewegungsraum und einen großen Aufenthaltsbereich.