Abschaffung der Bereitschaftsdienste


Im Klinikum Braunschweig gibt es schon seit dem 1.1.2006 keine Bereitschaftsdienste mehr. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs sind Bereitschaftsdienste, die in den Räumen des Arbeitgebers geleistet werden müssen, als Arbeitszeit zu bewerten. Im deutschen Arbeitszeitgesetz wurde dies zum 1. 1. 2004 mit einer Übergangsfrist geregelt.

Als eines der ersten deutschen Krankenhäuser hat das Klinikum Braunschweig die Arbeitszeiten gemäß dieser Rechtsprechung grundsätzlich neu strukturiert. Seit 1. 1. 2006 gilt ein grundlegend neues Arbeitszeitmodell, das auf Bereitschaftsdienste verzichtet. Hierfür wurde das Klinikum Anfang Februar 2008 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Initiative Beschäftigung mit dem ersten Preis im Wettbewerb "Beschäftigung gestalten - Unternehmen zeigen Verantwortung" in der Kategorie "Aufbau und Stabilisierung von Beschäftigung" in Berlin ausgezeichnet.


Den Kern dieses Modells bildet ein modifiziertes Drei-Schicht-Modell, das die Arbeitszeiten des ärztlichen Dienstes, des Funktionspflegedienstes sowie des medizinisch-technischen Dienstes verlässlich regelt. Jede Früh-, Tages- und Spätschicht dauert maximal zehn Stunden, die Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste umfassen max. 12 Stunden (mit Pause bis 13 Stunden) und werden entweder vollständig bezahlt oder komplett durch Freizeit ausgeglichen. Überlange Dienstblöcke gehören damit der Vergangenheit an.

Um dieses Arbeitzeitmodell realisieren und gleichzeitig eine lückenlose Patientenversorgung sicherstellen zu können,  wurden zusätzlich 28 Ärzte und 16 Kräfte im Pflegedienst eingestellt. Für das Klinikum bedeutet dies eine jährliche finanzielle Mehrbelastung von rund zwei Mio. Euro.


Die Neuregelung der Arbeitszeiten wurde von Mitarbeitern des Klinikums in einer berufsgruppenübergreifend besetzten Projektgruppe erarbeitet. Die intensive Zusammenarbeit sowie die Bereitschaft der Klinikleitung, zusätzliche finanzielle Eigenmittel in das Modell zu investieren, ermöglichten die Realisierung.

Mit der Investition in die neue Arbeitszeitregelung hat das Klinikum die Basis für eine größere Mitarbeiterzufriedenheit und verbesserte Patientenversorgung geschaffen – und damit seine Position am Gesundheitsmarkt wesentlich gestärkt.