Augenklinik: Der Grüne Star - Glaukom


Definition

Unter dem Begriff Glaukom wird eine Anzahl ätiologisch unterschiedlicher Krankheiten mit typischer Schädigung des Sehnerven und des Gesichtsfeldes zusammengefasst, deren gemeinsamer pathogenetischer Faktor ein individuell zu hoher Augeninnendruck ist.
Aus: Augenheilkunde, Springer, Berlin, 2003

Glaukomformen

Am häufigsten tritt das Offenwinkelglaukom auf, welches 90 Prozent aller Glaukome ausmacht. Es entsteht durch eine Abflussbehinderung des Kammerwassers, direkt im Abflussbereich des Schlemm-schen Kanals. Eine erst in den letzten Jahren zunehmend erforschte Variante des Offenwinkelglaukoms ist das Normaldruckglaukom.

Wesentlich seltener ist das Winkelblockglaukom, bei dem der Augeninnendruck massiv ansteigen kann. Dieses Ereignis verursacht neben einer Rötung heftige Schmerzen. Alle anderen Glaukome verlaufen schleichend und verursachen kaum Beschwerden. Anatomische Fehlentwicklungen während der Embryonalzeit können zum seltenen angeborenen Glaukom führen. Bei schweren Entzündungen des Auges, durch Verletzungen, durch Gefäßverschlüsse am Auge oder ausgeprägte diabetische Veränderungen kann ein Sekundärglaukom auftreten.

Das Normaldruckglaukom

Der neben dem erhöhten Augeninnendruck zweite wichtige Risikofaktor ist eine nicht ausreichende Blutversorgung der Nervenzellen. Dieser liegen meist so genannte vaskuläre Dysregulationen zu Grunde. Hierunter versteht man das Unvermögen des Gefäßsystems, sich adäquat an wechselnde Anforderungen bei der Sauerstoff- und Nährstoffversorgung anzupassen. Derartige vaskuläre Dysregulationen sind ein ganz charakteristisches Merkmal bei einer Form des Glaukoms, die nach dem ursprünglichen Verständnis dieser Augenkrankheit ein Widerspruch in sich wäre: dem Normaldruckglaukom. Auf den ersten Blick scheint es paradox, dass der Augeninnendruck bei den Betroffenen unter 20 oder 22 mmHg liegt, eigentlich also "gesund" wäre, während das wichtigste klinische Merkmal des Glaukoms, der Verlust von Nervenfasern in Netzhaut und Sehnervenkopf und damit die deutlich sichtbare Aushöhlung desselben (Exkavation) fortschreitet - mit fatalen Folgen für das Sehvermögen, das beim Glaukom infolge sich ausdehnender Gesichtsfeldausfälle unbehandelt zu Grunde gehen kann. Krank ist nach gegenwärtigem Forschungsstand bei Menschen mit Normaldruckglaukom nicht nur das Auge, sondern möglicherweise das Gefäßsystem des Körpers im Allgemeinen. Normaldruckglaukompatienten weisen nämlich im Vergleich zur Normalbevölkerung in deutlich erhöhtem Maße Durchblutungsstörungen in der Peripherie auf, z.B. in den Händen. Patienten mit Glaukomschaden haben ferner häufiger als Gesunde Hörstörungen oder Tinnitus, stumme, an Mini-Herzinfarkte erinnernde Veränderungen im EKG, oder gelegentlich auch minderdurchblutete Areale im Gehirn.

Was passiert im Auge beim Glaukom?

Beim Glaukom gehen die Nervenzellen der Netzhaut und Fasern der Nervenzellen zugrunde. Diese Fasern haben die Aufgabe, die von der Netzhaut aufgenommenen Seheindrücke zu bündeln und über den Sehnerv zum Sehzentrum im Gehirn weiterzuleiten. Es gibt mehrere Faktoren, die zum Untergang dieser Zellen führen.