Besonderheiten und Leistungsspektrum der Psychiatrischen Klinik
Während andernorts im letzten Jahrhundert die stationären psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten überwiegend in Großkrankenhäusern in meist größerer Entfernung der Städte erfolgten, hat Braunschweig eine lange Tradition einer kleinen psychiatrischen Abteilung an einem Allgemeinkrankenhaus in der Stadt selbst (Psychiatrische Abteilung in der Salzdahlumer Straße seit 1949, Vorläufer seit 1929).
Das hat dazu geführt, daß auf der einen Seite besondere Behandlungsmöglichkeiten entwickelt wurden für Patienten, bei denen neben seelischen Beschwerden auch andere, körperliche Krankheiten vorliegen. Auf der anderen Seite wurden sehr früh umfassende sozialpsychiatrische Behandlungskonzepte entwickelt. Bereits 1975 wurde eine sozialpsychiatrische Station mit teilstationären Behandlungsangeboten eingerichtet, die Tag- und Nachtklinik. Es hat sich eine sehr enge und konstruktive Zusammearbeit entwickelt mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Braunschweig und allen an der sozialpsychiatrischen Versorgung der Region beteiligten Krankenhäuser (z. B. AWO Psychiatrie-Zentrum Königslutter), Institutionen und Personen.
Die jederzeit besetzte Notambulanz der Psychiatrie in der Salzdahlumer Straße, die zu einem großen Teil die Funktion einer Institutsambulanz hat, übernimmt auch Aufgaben des Sozialpsychiatrischen Dienstes, insbesondere außerhalb der regulären Dienstzeiten und steht jederzeit als Anlaufstelle für Notfälle und Krisen zur Verfügung.
Die lange unzureichende räumliche Situation der Psychiatrischen Abteilung hat sich durch Fertigstellung des Neubaus in der Salzdahlumer Straße und Umzug der Tag- und Nachtklinik in das neue Gebäude in der Celler Straße im Sommer 2002 erfreulich verbessert. Raumangebot und Ausstattung der Zimmer entsprechen jetzt dem allgemein üblichen guten Standard.
Zusammen mit dem Neubau ist eine Vergrößerung der Abteilung erfolgt auf insgesamt 100 Betten (bzw. Behandlungsplätze).
Dabei sind im Betriebsteil Salzdahlumer Straße in fünf Stationen insgesamt 80 Betten vorhanden; im Betriebsteil Celler Straße in der Tag- und Nachtklinik, die als teilstationäre Einrichtung geführt wird, 20 Behandlungsplätze.
Es wurde dabei neu ein spezielles Behandlungsangebot für gerontopsychiatrische Patienten eingerichtet sowie eine Psychotherapieeinheit. Die fünf Stationen in der Salzdahlumer Straße haben dabei folgende Funktionen: eine Station mit beschützendem Charakter für Notfälle, Akut- und Schwerkranke, vier weiterführende Stationen mit den Schwerpunkten Abhängigkeitskranke, Gerontopsychiatrie, allgemeinpsychiatrische Erkrankungen und Psychotherapie.
Untersucht und behandelt werden können in der Braunschweiger Psychiatrie alle seelischen Störungen und Krankheiten: Entwicklungsstörungen und Reaktionen auf Konflikte, Depressionen und Psychosen, seelische Ströungen bei Allgemeinerkrankungen und organischen Erkrankungen des Nervensystems, Abhängigkeitserkrankungen und seelische Störungen bei Jugendlichen und bei Altersveränderungen.
Das therapeutische Team (Ärzte, Psychologinnen, Pflegepersonal, Sozialarbeiterinnen, Ergotherapeutinnen) entwickelt für und mit jedem Patienten ein individuelles Therapiekonzept, das seinen Beschwerden und seiner Lebenssituation entspricht. Dabei werden aus den verschiedenen möglichen Therapiebausteinen, wie z. B. Psychotherapie, gezielte Medikamentengabe, ergo- und sozialtherapeutischen Angeboten, die geeigneten ausgewählt und spezifisch auf den Patienten abgestimmt.
Bereits während des stationären Aufenthaltes werden die Patienten auf ihre soziale und berufliche Wiedereingliederung und die nach Entlassung erforderlichen Schritte vorbereitet, sobald ihr Befinden es möglich macht. Dies geschieht über stufenweise zunehmende Belastungserprobungen und Sozialtrainingsschritte bereits in der Akutpsychiatrie und den weiterführenden Stationen in der Salzdahlumer Straße. Es werden dabei entsprechende Therapieschritte sowohl auf der Station als auch außerhalb und im häuslichen Bereich durchgeführt. Insbesondere diese Wiedereingliederungsschritte erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem gesamten sozialpsychiatrischen Versorgungsnetz der Region.
Erforderlichenfalls werden diese sozialpsychiatrisch-rehabilitativen Maßnahmen intensiviert in der Tag- und Nachtklinik fortgesetzt.
Tag- und Nachtklinik:
In der Celler Straße gegenüber dem Haupteingang des übrigen Krankenhauses, befindet sich die Tag- und Nachtklinik, die sozialpsychiatrische Station des Städt. Klinikums.
Das Team der Tag- und Nachtklinik (Ärzte, Psychologinnen, Pflegekräfte, Ergotherapeutinnen und Sozialarbeiterinnen) will den Patienten helfen, das seelische Gleichgewicht wiederzufinden und soziale Schwierigkeiten, die zu der Erkrankung führten oder die sich aus der Erkrankung ergeben haben, zu bewältigen.
Auch hier wird das Therapieprogramm individuell für und mit jedem Patieten aufgestellt und auf die spezielle Lebenssituation ausgerichtet. Es werden Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppengespräche angeboten, Beschäftigungs- und Arbeitstherapie, Arbeitsversuche, Sozialtraining und vieles mehr. Ein reichhaltiges Freizeitangebot, wie z. B. Sport, Ausflüge, Spiel- und Tanznachmittage, Theaterbesuche, kleine Feste und mehr, sollen dazu dienen, daß die Patienten sich in der Klinik wohl fühlen, vor allem aber sollen sie auch während der stationären Behandlung bereits eine sinnvolle Strukturierung des Tages ermöglichen, Kontaktschwierigkeiten abbauen helfen und Anregungen für eine spätere sinnvolle Tages- und Freizeitgestaltung geben.
Die Tag- und Nachtklinik wird als teilstationäre Einrichtung geführt. Tagespatienten schlafen nachts zu Hause, nehmen tagsüber an Therapieprogrammen teil, Nachtpatienten gehen tagsüber zum Beispiel zur Arbeitserprobung oder übernehmen Aufgaben im häuslichen Bereich und sind nachmittags und nachts wieder in der Klinik. Jeder Patient hat aber immer ein Bett zur Verfügung und kann, wenn es erforderlich ist, zwischenzeitlich auch vollstationär (d. h. mit Betreuung rund um die Uhr) versorgt werden und rasch von einem in den anderen Status wechseln. Diese flexible Regelung ermöglicht es, die Patienten je nach Belastungssituation so schnell wie möglich wieder in ihren Alltag zu integrieren. Die Arbeitserprobungen sind insbesondere für die soziale Wiedereingliederung bedeutsam. Aber auch Patienten, die keiner geregelten Erwerbstätigkeit nachgehen, profitieren von den Angeboten und werden in die Lage versetzt, ihren Tagesablauf wieder sinnvoll zu strukturieren.
Das an die Tag- und Nachtklinik angegliederte Café "Alexius" bietet Kontakt und Kommunikationsmöglichkeiten für Patienten und ehemalige Patienten, Angehörige und Kontaktpersonen und kann daneben auch noch als arbeitstherapeutische Belastungserprobung für Patienten der Station genutzt werden.
Besuchszeiten:
Feste Besuchszeiten gibt es weder in der Psychiatrie Salzdahlumer Straße noch in der Tag- und Nachtklinik. Es wird aber gebeten, auf Untersuchungs- und Therapiezeiten Rücksicht zu nehmen.