Unfallchirurgie ist Teil des Traumanetzwerkes Nordost-Niedersachsen

Jedes Jahr erleiden über 35.000 Menschen in Deutschland schwere, oft lebensbedrohliche Verletzungen. Die Überlebenschance sinkt mit jeder Viertelstunde. Entscheidend sind die Rettungsdauer und die zeitnahe individuelle Versorgung in spezialisierten Kliniken. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte kam es zu einer signifikanten Reduktion der Todesrate um etwa 60% bei Patienten, welche ein Polytrauma erlitten haben.

Der Begriff Polytrauma bezeichnet mehrere gleichzeitig geschehene Verletzungen in verschiedenen Körperregionen, wobei mindestens eine Verletzung oder die Kombination mehrerer Verletzungen lebensbedrohlich ist. Dennoch ist das Polytrauma eine der Hauptursachen von Todesfällen und Erkrankungen in den Altersklassen unter 45 Jahren.  

Im Traumanetzwerk Nordost-Niedersachsen haben sich acht Kliniken zusammengeschlossen, um die bestmögliche Versorgung von Schwerverletzten täglich rund um die Uhr unter standardisierten Qualitätsmaßstäben zu gewährleisten. Sprecher des Traumanetzwerks Nordost-Niedersachsen ist Prof. Dr. Heinrich Reilmann, Braunschweig, sein Stellvertreter ist Dr. Klein, Wolfsburg. Die Koordination läuft derzeit über Yvonne Menzel, Klinikum Braunschweig.

Am Traumanetzwerk Nordost-Niedersachsen sind zwei überregionale, vier regionale und zwei lokale Traumazentren beteiligt.

Überregionale Traumazentren: Klinikum Braunschweig und Klinikum Celle.
Regionale Traumazentren: Klinikum Gifhorn, Klinikum Salzgitter, Klinikum Uelzen und das Klinikum der Stadt Wolfsburg.
Lokale Traumazentren: Klinikum Helmstedt und Klinikum Wolfenbüttel.

Die Region Nordost-Niedersachsen stellt somit eine flächendeckende und heimatnahe Versorgung von Schwerverletzten sicher. Die enge Zusammenarbeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus verschiedenen Disziplinen ermöglicht einen reibungslosen Ablauf während der Behandlung.

Das Traumanetzwerk Nordost-Niedersachsen wurde nach den Vorgaben von DIOcert zertifiziert. Um eine lückenlose Versorgung zu sichern werden Fort- und Weiterbildungen sowie Struktur- und Prozessfestlegungen mit Beteiligten abgestimmt, regelmäßige Treffen der teilnehmenden Kliniken veranstaltet und Fallbesprechungen durchgeführt.

Für die Verbesserung der Kommunikation wurde eine zentrale E-Mail Adresse eingerichtet. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit E-Health Braunschweig wird eine Bildkommunikationsstruktur erarbeitet. Mit deren Hilfe wird es in naher Zukunft möglich sein, in nur einem Bruchteil einer Sekunde, Befunde oder Untersuchungsbilder innerhalb des Netzwerkes auszutauschen. Das Pilot-Projekt wird bereits Anfang nächsten Jahres starten.

Das Konzept der Traumanetzwerke hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) entwickelt. Sie gibt das „Weißbuch Schwerverletzten-Versorgung“ heraus.