Good Manufacturing Practice (GMP)

Am Klinikum Braunschweig wurde für 4,66 Millionen Euro eines der größten und modernsten GMP-Zentren für Krankenhäuser in Deutschland gebaut (GMP steht für „Good Manufacturing Practice“). Die neuen Reinraum-Labore ermöglichen dem Institut für Klinische Transfusionsmedizin die Herstellung und Lagerung von Stammzellpräparaten unter industriellen Reinheitsnormen und damit eine neue Qualität in der Patientenversorgung.
Die Lagerung und Vorbereitung von autologen, also körpereigenen Stammzellen, die Krebspatienten nach einer Chemotherapie zurückbekommen, damit sich ihr Knochenmark schnell regeneriert, waren im Klinikum bislang nicht möglich. „Das GMP-Zentrum bietet nun ideale Bedingungen dafür“, so der Chefarzt des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin, Dr. Henk Garritsen. Und nicht nur dafür sind die Voraussetzungen ideal: Geplant ist, in den neuen Räumen künftig weiteres Gewebe, wie z. B. Herzklappen oder Augenhornhäute, zu lagern.
Die Labore dürfen nur mit Schutzkleidung betreten werden, die Partikeldichte in der Luft, die Luftfeuchtigkeit, der Druck und die Raumtemperatur werden ständig überwacht.

Ein Arbeitstag unter Reinraum-Bedingungen
Chefarzt Dr. Henk Garritsen betont übrigens den Qualitätsgewinn für die Patienten, weil die Herstellungsbedingungen in den neuen Laboren die Richtlinien sogar noch übersteigen. „Die Richtlinien für die „gute Herstellungspraxis“ sind weitaus umfassender als im OP“, erklärt Garritsen. „Die höchste Gefahrenquelle für Verunreinigungen ist der Mensch, daher kommen die sehr strengen Bekleidungs- und Verhaltenvorschriften“, führt der Chefarzt weiter aus. Und in der Tat gilt es allerhand zu beachten: Ein Arbeitstag unter Reinraumbedingungen beginnt damit, dass die Mitarbeiter ihre Straßenbekleidung gegen sogenannte Bereichskleidung tauschen. Mit dieser Bekleidung dürfen sie sich zwar im Haus bewegen, die Herstellungsräume so jedoch noch nicht betreten. Dafür müssen sie sich noch bis zu dreimal einschleusen, um von einem reinen Bereich in den nächst reineren zu gelangen. Im sterilen Bereich schließlich tragen sie OP-Handschuhe, einen sterilen Overall, sogenannte „Reinraumstiefel“ und eine Kopfhaube mit „Sehschlitz“. Die Mitarbeiter dürfen z. B. kein Make-up tragen und sich noch nicht einmal schnell bewegen, da sie sonst zu viele Luftverwirbelungen auslösen würden. Und natürlich kommen die Materialien, die für die Arbeit benötigt werden, ebenfalls steril verpackt in das Zentrum.

Technische Daten
Die Nutzfläche des gesamten Gebäudes beträgt ca. 1.040 m². Untereilt ist die Fläche in: Ca. 200 m² für die Apotheke, ca. 120 m² für die Transfusionsmedizin, ca. 370 m² für die Nebenräume und ca. 350 m² für die Technikräume. Das Gebäudevolumen liegt bei ca. 3.900 m³.
In den Decken und Wänden verstecken sich rund 13.500 m Kabel für die Stromversorgung, Computertechnik und Brandmeldeanlage. Die Reinraum-Labore sind mit modernster Lüftungstechnik ausgestattet, die die Labore mit ca. 35.000 m³ gereinigter Luft pro Stunde versorgen kann.

